Kriege lauern nicht nur
zwischen verfeindeten Ländern,
sondern auch im täglichen
Zwischeneinander. Allerdings vermeiden wir
oft Konfliktsituationen,
die außer Kontrolle geraten
könnten. Ist das gut? KM findet:
nicht immer; und lädt Besucher zur nachträglichen
Eskalation ein. In der
DIALOGANNAHME wird ein verbaler Konflikt
in einem Gespräch mit KM
sorgfältig rekonstruiert, um
anschließend gemeinsam retuschiert
zu werden. Aus der geänderten
Gesprächsversion erstellt KM eine
Eskalationszeichnung, welche fortan im
Annahmeraum aushängt. Die Annahme von
Dialogen fand im März
2011 im Maxim Gorki
Theater statt. Weitere
Dialogannahmen gab es auf Radio 1
und in der Kümmerei Gießen.
KOMPLIZEN REAL ESTATE -
Raumvermittlung zwischen Aktivist und
Symphathisant
Mit Hilfe der Kulturmassnahme
Komplizen Real Estate können Sie
herausfinden, ob Ihre Wohnung, Ihr Ferienhaus
oder Ihr Arbeitsplatz als Unterschlupf
oder Lagerfläche eingesetzt
werden könnte. In einem vertraulichen
Gespräch (Anonymität wird gewahrt)
werden praktische Fragen der Unterstützung
erörtert. Im temporären Beratungsraum
liegt eine übeschaubare Liste von Beispielaktivisten
aus. Wenn Ihre Belange nicht ausreichend
vertreten sind, können sie das Portfolio
ergänzen oder auch ein neues Profil
erstellen. Wir werden gern auch für Ihr
Engagement ein passendes Raumangebot suchen.
Komplizen Real Estate als Kulturmassnahme am 22.
Januar 2011 im Maxim-Gorki-Theater,
Berlin statt.
STEUERERKLÄRUNG 1999 -
LESUNG & VERNICHTUNG
Die Aufbewahrungspflicht
für Steuerunterlagen
endet nach 10 Jahren. Aus diesem Anlass lesen KM
aus ihren Belegendes
Jahres 1999 und vernichten
sie dabei. Was haben sie womit
verdient? Wohin wollten sie? Und was bleibt am
Ende übrig? Drei Erzähler,
drei Lebensläufe, drei Arten sich zu
erinnern. Eine szenische Lesung mit
Musik. Die Aufführung fand im November
2010 in der Peter-Behrens-Halle der
TU Berlin im Rahmen des Theaterfestivals Past
Forward der Plattenvereinigung statt.
Desweiteren werden sich KM in den nächsten
zehn Jahren mit ihren Steuererklärungen
1999-2010 in ähnlicher Form
beschäftigen und dies in einer Langzeitdokumentation
festhalten.
PROBESTUNDE
Im Rahmen von X-Schulen,
einem Projekt des Hebbel-Theaters
Berlin an der Kreuzberger Hector-Peterson
Oberschule hat KM von acht
Schülern der 9. und 10. Klasse Dinge
gelernt, die sie noch nicht kannten und diese
dann den Zuschauern der Aufführungen in
Unterrichtsstunden weitervermittelt. Die
Schüler wurden im ersten Schritt zu
Lehrern. Während der Aufführung
bildeten sie eine Jury und bewerteten die
Leistungen von KM als Lehrer in Kommentaren und
Zensuren. Diese wurden im Lauf der
Aufführungstage statistisch erfasst und
ausgewertet. Das Spektrum der Wissensthemen
reichte vom Kurdischen Hochzeitstanz,
Fußballtricks, Techniken
des Kiezrauchens bis hin zu rituellen
Waschungen und Fragen des
Glaubens. Die Aufführungen
fanden Ende Juni 2010 statt.
Weitere Bilder hier.
DAS RESTAURANT
An sechs Abenden betreibt KM
ein Restaurant. Jeweils fünf Gäste
bringen übrig gebliebene Reste
aus ihren Haushalten mit und kochen
gemeinsam daraus eine Mahlzeit. Beim
anschließenden Essen führen die
Teilnehmer ein moderiertes Tischgespräch.
Gesprächsthema des Abends ist der
übrig gebliebene Gesprächsrest
vom Vorabend. Am Ende des Abends gilt es wieder
einen neuen Gesprächsrest für den
nächsten Abend zu definieren. Der Zyklus
fand im November 2009 in den
temporären Räumen von Kulturmassnahmen
in Kreuzberg statt. Mehr hier.
WER BIN ICH? BZW. WAS GLAUBE
ICH, WAS ANDERE DENKEN, WER ICH BIN?
Ein Expertengremium erstellt
anhand von Porträtvideos
ein Persönlichkeitsprofil von drei
Münchner Bürgern. Diese betreten im
Anschluss tatsächlich die Bühne und
haben die Möglichkeit, das Fremdbild
mit ihrem Selbstbild in
Einklang zu bringen. Eine gesellige
Erkenntnis-Show mit Moderation und
Musik von und mit KM.
Aufführung am 5. März 2009
im Neuen Haus der Münchner
Kammerspiele.
KW 4
Wie werde ich die 4.
Kalenderwoche erleben? KM befragt 25
Berlinerinnen und Berliner im Voraus, wie ihre
4. Kalenderwoche 2009 aussehen und wie sie sich
anfühlen wird. Die erwarteten Ereignisse,
Befindlichkeiten und die tatsächlichen
Geschehnisse werden in einem großen
Stimmungsbild zusammengefasst und verglichen. In einem
illustrierten Abend mit Moderation und Musik
präsentieren KM ihre
Forschungsergebnisse.
Januar
2009 im Studio des Maxim-Gorki-Theater,
Berlin. Einen Kurzmittschnitt
gibt es hier zu sehen. (Foto
rechts (c) www.hcp-foto.com)
HAUSHALTSDEBATTE
KM
eröffnet die Spielzeit 08/09 der Münchner Kammerspiele
mit einer Haushaltsdebatte und der Frage: Was
sollte man mit den Abendeinnahmen
machen? Fünf Bürgerinnen und
Bürger diskutieren und entscheiden
über den Verbleib der Abendeinnahmen. Ob
karitativer Zweck, künstlerisches Vorhaben
oder privates Wohlbefinden: Alle Eingeladenen
werben für ihr Projekt und müssen am
Ende auch im Konsens
entscheiden, wer wieviel bekommt. Können
sich die Teilnehmer nicht einigen, geht das Geld
zurück an die Münchner Kammerspiele.
KM
sammelt wie schon in München (2006) sechs
Tage lang Bürgermeldungen;
diesmal rund um das Kottbusser Tor
und präsentiert diese anschließend
in einer öffentlichen
Anhörung. Ziel ist es, jede
der aufgenommenen Meldung so gut wie
möglich zu vertreten, ohne sich dabei zu
verbiegen. Eine detailierte
Beschreibung der im Frühjahr
2008 gesammelten Meldungen, unserer
Erfahrung mit den Passanten am Kotti und den
Aufführungen im Festsaal
Kreuzberg und im Studio des Maxim-Gorki-Theaters
sind dem Sachbericht
(pdf 1,5 MB) zu entnehmen.
JET LÖSUNGEN
KM lässt
sich für vier Tage und Nächte im Jet-Projektraum
einschließen, um in dieser
Abgeschiedenheit Probleme der Passanten
zu lösen. Einziger Kontakt zur
Außenwelt ist eine Luke, durch die
Ratsuchende ihr Anliegen vortragen können.
Jeden Abend öffnet sich die Wand mit der
Luke und KM präsentiert in einer Show
die gefundenen Lösungen. Um uns völlig
auf unsere Aufgabe konzentrieren zu können,
sind wir für eine Woche von der
Außenwelt abgeschirmt und von Lebensmittellieferungen
der Passanten abhängig. Mehr hier.
weitere Fotos hier. Winter 2007 bei JET (in
Kooperation mit dem Maxim-Gorki-Theater)
GEHEN
LASSEN
"Haben
Sie Lust spazieren zu gehen? Haben Sie keine
Lust spazieren zu gehen? Wenn Sie
eine der beiden Fragen mit 'Ja' beantworten
können, sind Sie bei uns richtig." Bei Gehen
lassen KM ermöglicht
Bürgern, andere für sich spaziergehen
zu lassen und dabei über eine sie bewegende
Frage nachzudenken. Nach erfolgtem Spaziergang
werden Auftraggeber und Spaziergänger auf
ein Podium gebeten, um einem Publikum die
Fragen, bzw. die gefundenen Antworten zu
präsentieren und diese anschließend
bei einer geselligen Bratwurst zu
vertiefen.
Im Rahmen der
Ausstellung WALK - Spazierengehen als Kunstform
im Kunstraum KreuzbergHerbst
2007
KW 28
KM befragt 30 Menschen
im Vorraus, wie ihre 28. Kalenderwoche
aussehen wird. Im gemeinsamen Gespräch werden
zunächst Vorhaben und Ereignisse den Tagen
zugeordnet. Im nächsten Schritt wird darüber
spekuliert, wie sich die Erlebnisse wohl anfühlen
werden. Diese prognostizierten Daten werden in eine Stimmungskurve
übertragen. Zum Ende der Woche können
die Teilnehmer in einem eigens eingerichteten
Stimmungsbüro ihre Daten korrigieren und mit
Bildmaterial versehen. In einer Show
analysierte KM statistische Daten und berichtete von
Einzelschicksalen. Produktion: Münchner Kammerspiele. Sommer
2007
GIESSEN
- EINE STADT WIRD DOKTOR
KM bietet allen
Bürgerinnen und Bürgern der Stadt
Gießen, die Würde des
Bürgerdoktors zu erwerben. Einzige
Voraussetzung, man muss in einer kurzen Doktorarbeit
darlegen für welche Leistung man diese Auszeichnung
verdient hat. Alle 57 eingereichten Arbeiten werden in
einer Ausstellung präsentiert,
drei Doktoranden werden zu einer Verteidigung
eingeladen. In einem abschließenden Festakt
erhalten alle Teilnehmer feierlich ihre Auszeichnung.
Realisiert auf Einladung der Stadt Gießen. Frühjahr
2007. Zur Ausschreibung gelangen Sie hier.
VERTRETUNGSSTUNDE
"Was können
wir von Ihnen lernen?" mit dieser Frage
wendet sich KM an Passanten in der Berliner
Innenstadt. Ausgerüstet mit einem mobilen
Klassenzimmer lassen wir uns Wissen aus allen
Gebieten beibringen. Wie verfertige ich angstfrei eine
Einbrenne? Was ist der Unterschied zwischen
räuberischer Erpressung und Unterschlagung? Wie
teile ich einen Apfel ohne Werkzeug? Diese und
vierundzwanzig weitere Themen werden von uns zu
Lerneinheiten aufbereitet und in einer Vertretungsstunde
den Zuschauern beigebracht. Entwickelt im Auftrag des Maxim-Gorki-TheatersWinter 2006. Ausführliche
Informationen finden sich im Sachbericht. (pdf 1,5
MB)
MÜNCHNER LASSEN
MELDEN
KM
sammelt neun Tage lang Bürgermeldungen
in der Münchner Fußgängerzone
und präsentiert diese anschließend in einer
öffentlichen Anhörung. Ziel
ist es, jede der aufgenommenen Meldung so gut wie
möglich zu vertreten, ohne sich dabei zu verbiegen.
Eine detailierte Beschreibung der im Sommer
2006 gesammelten Meldungen, unserer
Erfahrung mit Münchner Passanten und der mehrstündigen
Aufführung im Neuen Haus der Münchner Kammerspiele sind
dem Sachbericht (pdf 1,5 MB)
zu entnehmen.
SHOW DES SCHEITERNS
Seit 2002
berichten in dieser losen Vortragsreihe
Freiwillige über Vorhaben und Projekte berichten,
die nicht zustande kamen. Unsere Botschaft lautet: Scheitern
ist etwas Symphatisches, für das man
sich nicht zu schämen braucht. Im Gegenteil: Nur
wer etwas versucht, kann auch scheitern. Eingebettet in
ein Rahmenprogramm aus Musik
und Quiz werden die Referenten
für ihren Mut gefeiert, etwas gewagt zu haben.
Details zur Idee, ausführliche Berichte zu den Gastspielen
und Presseberichte finden Sie hier.
ANTON REISER WERKSTIPENDIUM
Drei StipendiatInnen
erhalten von uns für die Dauer von einem Monat eine
von uns zubereitete warme Mahlzeit in einem
temporären Studienhaus. Als
Gegenleistung erwarten wir ein Kunst- oder Handwerk, das
in einer abschliessenden Ausstellung präsentiert
wird. Im Mittelpunkt der Installation steht die Frage
nach dem Wert einer warmen Mahlzeit.
Das Projekt wurde 2004 gefördert
vom Hauptstadtkulturfonds, sowie vom Kulturamt
Friedrichshain-Kreuzberg. Zum Anton Reiser
Werkstipendium ist auch eine ausführliche Dokumentation
erschienen.
BALLASTANNAHME
In der Bundesballstannahme
(BuBa) nehmen korrekt gekleidete Sachbearbeiter
persönlichen, gesellschaftlichen oder ideologischen
Ballast entgegen: "Überlegen Sie, was Sie im
Entwurf Ihres künftigen Lebens nicht mehr vorfinden
möchten." In der Sammelstelle, wo der
dazugehörige Lagerist alle
abgegebenen Objekte akribisch vermisst und fotografisch
dokumentiert, finden sich bereits die üblichen
Verdächtigen: Eine Uhr, ein Päckchen Tabak,
die Hartz-IV-Broschüre... Die Massnahme wurde 2005
auf dem Inselkongress Harriersand bei Bremen
realisiert.
TROSTSTUBE
KM hat einen formellen
Troestungsakt entwickelt. Was Beichtstuhl,
Beschwerdestelle und Hotline nicht mehr leisten, vermag
die Troststube. Der Raum erinnert auf den ersten Blick
an ein Wahllokal, eine provisorisch
eingerichtete Behörde. An einer langen Tafel sitzen
zwei Sachbearbeiter. Sie informieren über das
Angebot der Troststube, verteilen Formulare. Dem Tisch
gegenüber befinden sich zwei Kabinen. In der
ersten, kann ein Beschwerdeformular
ausgefüllt werden, die zweite dient der verbalen
Äußerung. Der Beschwerde folgt ein formaler Tröstungsakt,
durchgeführt durch einen der Sachbearbeiter.
Erstmals im Podewil im Sommer 2003.
BEGEHBARES
FORMULAR
Besucher können
Antrag auf Anerkennung für persönliche
Leistung stellen. Für was die
beantragten Anerkennung gewährt werden soll, steht
den Antragstellern frei. Ein Sachbearbeiter begleitet
die Antragsteller durch ein in neun Felder unterteiltes
Formular, in dem je eine Frage zur Spezifizierung der
Leistung zu beantworten ist. Die Anerkennung wird in
einem extra Feld in Form eines Händedrucks
verliehen. Produktion: Sommer 2005
Post, Berlin.
BUNDESDENKMALSCHUTZ
Nach Abriss des alten
Kunstvereingebäudes formieren sich vor der Baugrube
Protestierende, die verhindern wollen, dass auf dem
Gelände ein Einkaufscenter entsteht. KM gibt sich
als Bundesdenkmalschutzbehörde
aus. Anhand einer Luftaufnahme wird in einer Pressekonferenz
erläutert, was für archäologische
Funde sich auf dem Gelände befinden. Die
Erzählung steigert sich ins Groteske. Die Hoffnung,
dass der Boden etwas Besonderes enthält, bleibt
bestehen. Realisiert in Köln. Aktionstage
am Loch, Sommer 2003.
ANTRAGSANNAHME
KM ermöglicht
Besuchern Anträge aus folgenden Bereichen zu
stellen: Antrag auf Namensänderung,
Antrag auf Waffenschein oder
Munitionserwerb, Erklärung zum Kirchenaustritt,
Antrag zur Befreiung von der
Rundfunkgebühr, Einreichung einer Petition
im Deutschen Bundestag, Bewerbung als
Referent der Show des Scheiterns. Die erforderlichen
Angaben wurden von KM aus dem Gedächtnis
heraus abgefragt. Dorthinein gelangten auch die
Antworten. Realisiert in der Post, Berlin. November
2004.
HASENKLAGE
Zwei Darsteller
begleiten mit in der Jagd gebräuchlichen Lockpfeifen,
wie Hasenklage, Mauspfeifchen oder Hirschrohr eine Komposition
aus einem Ghettoblaster. Im ersten Teil wird versucht
die Welt der Tiere zu immitieren. Im zweiten Teil
übernehmen die beiden die Partei der Jäger und
schmettern im pathetischen Hip-Hop: Shoot the
deer. Im dritten Teil wird wiederrum aus
Sicht der Tiere die Klage angestimmt.
UA: Kunstraum KreuzbergHerbst
2005